Alternative Varroa Behandlung ?

Die optimale und nachhaltige Varroabekämpfung gibt es nicht. Jede bekannte Methode erzeugt eine Nebenwirkung in die eine oder andere Richtung. Wir empfehlen deshalb, sowohl die Bienenhaltung, als auch die Varroabehandlung zu diversifizieren. 

 

Der Bien ist ein Wesen, dass wir mit unseren derzeitigen Möglichkeiten nicht fassen können. Wir können ihn deshalb auch nicht berechnen oder zu einem Haus-/Nutztier machen. Wir können ihn auch nicht zwingen, etwas nach unserem Belieben zu tun. Rezepte und Konzepte sind logische, menschlich erdachte Zusammenstellungen und Methoden. Der Bien ist nicht menschlich.
Immer wieder taucht die Frage nach DEM Varroakonzept ohne Behandlung auf. Nach einem Konzept, dass erprobt und wissenschaftlich bestätigt ist. Dieses Varroakonzept wird es nicht geben.
Es ist aber möglich, dem Bien eine Umgebung, Behausung und Betreuung zu bieten, die ihn nicht schädigt. In einem derartigen Umfeld entsteht auch das Gleichgewicht zwischen Bien und Milbe. Bei manchen Völkern geht es schneller, andere brauchen länger, oder schaffen es nicht. Das ist Natur. Das sind natürliche Abläufe. Dafür braucht der Imker ein Gefühl, Toleranz und eine Bereitschaft zum Beobachten. Eine alte Imkerweisheit besagt: "Als Imker wirst du geboren." "Norbert Dorn"

 

 

Varroabehandlung auf Basis ätherischer Öle für die naturnahe Bienenhaltung. Der Schwarmtrieb dient als Basis und Thymol als Behandlungsmittel während der Brutpause: Alternatives Varroa Bekämpfungskonzept

 

„Alles, was die Varroamilbe hindert, verzögert nur das gewünschte Gleichgewicht zwischen Wirt und Parasit“, sagt Dr. David Heaf, ein engagierter Imker aus England. Wie verschiedene wissenschaftliche Studien zeigen, ist die westliche Honigbiene durchaus in der Lage, mit der Varroamilbe in einem Gleichgewicht leben zu können.

Zudem fehle gerade der Behandlungen wegen der notwendige Druck auf die Bienen, sich den Milben anpassen zu müssen. 

Unserer Meinung nach würde der Parasit (Varroamilbe) eine absurde Strategie verfolgen, wenn er seinem Wirt (Biene) ernsthaft gefährlich werden könnte. Die Milbe würde sich selbst eliminieren.

 

Die wissenschaftliche Faktenlage lässt vermuten, dass die Varroa weder externes Problem, noch Ursache fürs Bienensterben ist. Das Varroa Problem ist hausgemacht! Wir züchten unter Umständen in der gängigen Imkerei mit unserer aktuellen Varroa Bekämpfungsstrategie eine Art Super-Varroa, die es so in der Natur gar nicht gäbe, wie Studien von Prof. Dr. T. D. Seeley aus dem Arnot Forest (U.S.A) aufzeigen.

Zudem schwächen wir die Bienenvölker mit den derzeitigen „Bienenarzneimitteln“ wie synthetische Pestizide, Ameisen- und Oxalsäure und auch mit Thymol. Die organischen Säuren, die auch in der biologischen Honigimkerei angewendet werden dürfen, sind zwar für den menschlichen Honigverzehr unbedenklich, stellen aber harte Säureattacken gegenüber dem Bienenvolk dar.

 

Unter anderem berichtet die Wissenschaft von biologischem Zelltod an der Bienenbrut. Und was das Kind vernichtet, dürfte auch die Eltern und insbesondere die mehrere Jahre lebende Königin schädigen oder zumindest schwächen.

 

Völlig unbehandelte Völker sind wichtig für die Anpassungsfähigkeit der Honigbiene an aktuelle Bedingung-en. Gemäss mehrerer Versuche mit teilweise wissenschaftlichem Hintergrund haben unbehandelte Völker immerhin eine Überlebenschance von ca. 30%! Es stimmt somit nicht, dass ein unbehandeltes Volk dem Tode geweiht ist, wie man immer wieder mal hört.

 

Die Herleitung dieser sehr grob zusammengefassten Aussagen können dem Konzept Zeitgemässe und zielgerichtete Imkermethoden in voller Ausführung und wissenschaftlicher Hinterlegung entnommen werden.

 

Nach unserer Meinung überleben nicht die stärksten Völker, sondern die, die am besten an ihre Umgebung angepasst sind. Zumal wenn wir davon ausgehen, das seit der letzten Eiszeit, nördlich der Alpen keine Honig-bienen, auf natürlichem Wege den Winter durchgebrütet haben.

 

Das Klima hier gibt es nicht her, dass unsere Bienen durchbrüten können.  Es setzt nämlich voraus, dass dauerhaft frische Pollen zur Verfügung stehen, um gesunden Bienennachwuchs zu erbrüten. Hier überleben von Natur aus nur solche Völker, die das Brutgeschäft einstellen, wenn keine Tracht (Pollen und Nektar) in ausreichendem Umfang mehr verfügbar ist. Das bedeutet ab spätestens September Brutstop. Dann sind die Winterbienen in der Beute und da den Milben mangels Brut nach und nach die Versteckmöglichkeiten ausgehen, werden sie außerhalb der Brut eben leichte Beute für die Bienen und landen mit Biss Verletzungen auf der Windel.

 

Wenn der Imker die im Juli und August erbrüteten Jungbienen ständig mit Säuren vielfältiger Art abzuätzen versucht, dann sind das keine langlebigen Winterbienen mehr, sondern welche, die spätestens im Oktober zum Sterben abfliegen oder wegkrabbeln. Genau wie die Jungbienen, die auf gepanschtem bzw. vergiftetem Wachs erbrütet wurden. Allein diese Vorgehensweise sollte zum Nachdenken anregen.

 

Hinzu kommt die Ausbeutung. Auf natürlichem Wege gibt es keine Völker, die einen jährlichen Überschuss von 50 kg oder mehr erwirtschaftet hätten und sich dabei bester Gesundheit erfreuen. Wenn man 50 Kg Honig ernten möchte, dann kalkuliert man eben mit 5 Völkern, denen man jeweils 10 Kg/Jahr "abknöpft" und nicht nur mit einem Volk, das damit in allen Belangen massiv überfordert ist. Der so produzierte Honig dürfte qualitativ auch deutlich hochwertiger sein, weil die enzymatischen Vorgänge abgeschlossen sind, die den Honig haltbar machen. Vielleicht können wir daraus lernen.

 

Der Bienen-Parasit
Mit vielen Mitteln gegen die Varroa-Milbe
 
Wissenschaftler der Universität Hohenheim bekämpfen die Varroa-Milbe mit deren eigenen Mitteln: mit Ölsäure wird das Paarungs-verhalten der männlichen Milben gestört.
 
 

Der Hamburger Biologielehrer Torben Schiffer hat den Bücherskorpion wiederentdeckt: Dieser frisst die Varroa-Milbe, die Bienen zusetzt. Bis zu neun Milben tötet Chelifer cancroides so. Torben Schiffer hat einen Verein gegründet, um weltweit Erfahrungen mit dem fünf Millimeter großen Pseudoskorpion zu sammeln.

 
85-prozentige Ameisensäure bekämpft die für Bienen tödliche Varroa-Milbe, ohne dass sie den Bienen gefährlich wird. "Damit erreichen wir einen Behandlungserfolg von mehr als 80 Prozent", sagt Dr. Stefan Berg vom Fachzentrum Bienen in Veitshöchheim. "Das ist durchaus eine Größenordnung, bei der die Völker auch wirklich eine Chance haben, damit überleben zu können."
 
Forscher in Berlin experimentieren mit Oxalsäure
 

Bienenforscher an der Freien Universität Berlin experimentieren hingegen mit Oxalsäure. "Das ist die Substanz, die uns zukünftig helfen wird, die Bienenvölker mit ihrem hohen Nutzen für die Allgemeinheit zu erhalten", sagt die Biologin Eva Rademacher. Forscher um Prof. Robin Moritz von der Uni Halle-Wittenberg haben auf Gotland Bienen entdeckt, die gegen den Befall durch die tödliche Varroa-Milbe resistent sind.

 

Die Forscher vermuten 95 Prozent der Resistenz auf drei Genen. "Wenn wir die Gene haben, haben wir ein molekularisches, züchterisches Werkzeug, mit dem jeder Imker in seinem Bienenvolk nachschauen kann, ob diese Resistenzgene enthalten sind."

 
 

Mit kleinen Partikeln und elektrostatischer Anziehung wollen britische Wissenschaftler nicht nur der Varroa-Milbe Herr werden, sondern auch anderer Insekten. "Wenn die äußere Hülle eines Insekts positiv aufgeladen ist und sich in der Nähe etwas negativ Geladenes befindet, dann ziehen sich die beiden an", erklärt der Insektenforscher Prof. Philip Howse von der Universität Southampton. Ein negativ geladenes Puder aus feinsten Wachspartikeln verklebt den gesamten Insektenkörper. Es besteht aus Pflanzenwachs und einem natürlichen Pflanzenöl.

 

 

Bienen-Parasit:


Forscher entdecken Medikament gegen Varroa-Milbe


Lithiumchlorid verspricht Durchbruch im Kampf gegen gefährlichen Bienen-Parasiten / Veröffentlichung in international renommierter Fachzeitschrift „Scientific Report“ PRESSEFOTOS unter www.uni-hohenheim.de

 

Hoffnung für Imker: Erstmals gelang es Forschern der Universität Hohenheim in Stuttgart ein potentielles Medikament zu entwickeln, das befallene Bienenstöcke mit geringem Arbeitsaufwand über die Fütterung von der gefürchteten Varroa-Milbe befreien kann. Die Varroa-Milbe zählt weltweit zu den gefährlichsten Feinden der Bienen: innerhalb von ein bis drei Jahren kann sie ein Bienenvolk komplett ausrotten. Bislang mussten Imker befallene Bienenstöcke mit aggressiven organischen Säuren oder chemisch hergestellten Milben-bekämpfungsmitteln behandeln, die Resistenzprobleme und Rückstände verursachen.

 

Bei der vielversprechenden Substanz handelt es sich um leicht verfügbares Lithiumchlorid. Nach über 25 Jahren Forschung steht damit erstmals ein neuer Wirkstoff im weltweiten Kampf gegen die Varroa-Milbe zur Verfügung, der völlig anders wirkt als bisherige Mittel. Derzeit laufen bereits Gespräche mit Unternehmen mit dem Ziel einer Produktentwicklung und Zulassung. Ihre ersten Ergebnisse veröffentlichten die
Wissenschaftler in der heutigen Online-Ausgabe der Zeitschrift „Scientific Report“,
www.nature.com/articles/s41598-017-19137-5.


Ein günstiger, einfach anzuwendender Wirkstoff gegen die gefährliche Milbe, der nach dem aktuellen Kenntnisstand der Forscher keine gefährlichen Nebenwirkungen für Bienen, Imker oder Verbraucher hat und in der Natur reichlich vorkommt: Das versprechen die Ergebnisse des Forschungsprojektes. Mit Lithiumchlorid hat das Forscherteam einen Wirkstoff für ein solches Medikament gefunden, der leicht zu beschaffen und zu verabreichen ist. Auch für eine Ablagerung im Honig gibt es bislang keine Anzeichen.


Dr. Peter Rosenkranz, Leiter der Landesanstalt für Bienenkunde, erklärt die Vorteile des Wirkstoffs: „Lithiumchlorid kann man Bienen in Zuckerwasser aufgelöst füttern. Bei unseren Versuchen haben bereits geringe Mengen der Salzlösung ausgereicht, um innerhalb weniger Tage die auf den Bienen aufsitzenden Milben abzutöten – ohne Nebenwirkungen für die Bienen.“


Auch die Verfügbarkeit spricht für den Wirkstoff: Die weltweiten Vorräte des Leichtmetalls Lithium
werden auf über 40 Millionen Tonnen geschätzt, als Lithiumchlorid-Salz findet es sich in Salzlaugen, Salzseen und Heilquellen, und das zum Teil in erstaunlich hoher Konzentration. Das 1/2 leicht in Wasser lösbare Salz wird unter anderem als Trocknungsmittel und Enteiserlösung verwendet. In der Humanmedizin kommt es seit Mitte des 20. Jahrhunderts als Antidepressivum zum Einsatz.


Bevor der Wirkstoff nun als Medikament für Bienen auf den Markt kommen kann, sind dennoch weitere Tests nötig, um die beste Dosierung zu bestimmen und Nebenwirkungen für Bienen und Anwender sowie das Risiko von Rückständen auszuschließen. Dazu sei man aktuell mit Unternehmen im Gespräch, die diese Entwicklung weiterführen wollen.


Entdeckt durch Zufall
Eigentlich hatte das Team um Dr. Rosenkranz einen viel komplexeren Ansatz verfolgt:
„Gemeinsam mit dem Biotechnologie-Startup SiTOOLs Biotech haben wir versucht nach dem RNA-Interferenz-Verfahren, kurz RNAi-Verfahren, gezielt bestimmte Gene auszuschalten. Dieses Verfahren erhielt 2006 den Nobelpreis für Medizin und ist seitdem weltweit zur Bekämpfung von Krankheiten in Anwendung.“


Die Idee: RNA-Bruchstücke werden an die Biene gefüttert und dann von der Varroa-Milbe beim Blutsaugen aufgenommen. In der Milbe schalten die Bruchstücke gezielt lebenswichtige Gene des Parasiten aus. „Für die Bienen sind diese RNA-Bruchstücke ungefährlich, da sie ausschließlich mit varroaspezifischen Genen interagieren. Bei der Varroa-Milbe jedoch werden zentrale Stoffwechselprozesse gestört und die Milbe schließlich abgetötet“, so Dr. Rosenkranz.


Der Ansatz zeigt Erfolg, doch dann bemerkten die Wissenschaftler etwas Seltsames: „Bei Kontrollexperimenten konnten wir auch mit unspezifischen RNA-Bruchstücken, die weder bei den Bienen noch bei den Milben ein genetisches Ziel finden sollten, die Milben abtöten“, berichtet Dr.Rosenkranz. „Etwas in unserer „Genmischung“ bekam den Milben nicht, während die Bienen keinen Schaden nahmen.“


Fast zwei Jahre dauerte es, bis das Lithiumchlorid als die geheime Wunderwaffe gegen den Parasiten gefunden war. Die Forscher hatten die Chemikalie als Hilfsmittel bei der Isolierung der RNA-Bruchstücke verwendet, mit deren Hilfe die Gene im Bienenkörper ausgeschaltet werden.
Eine folgenreiche Entdeckung, denn die RNAi-Methode würde zwar wohl funktionieren, wäre allerdings teuer und aufwendig. „Lithiumchlorid hingegen ist einfach herzustellen, relativ preiswert, und unkompliziert zu lagern.“

 

Mittelwände gefährden Bienenpopulationen

[Eine Mittelwand ist eine gewalzte oder gegossene Platte aus Bienenwachs]

 

Das Video unten weist darauf hin, dass künstliche Wachsmittelwände wie selbstverständlich in Rähmchen benutzt werden. Anstatt die Biene selbst ihre eigenen Wände komplett selbst bauen zu lassen, nämlich mit ihrem eigenen Wachs. Denn dies verbraucht Energie, bzw. Honig.

Dieses Video zeigt, was passiert wenn Menschen die Mittelwände noch weiter 'optimieren', - natürlich nach ihrem persönlichen, ökonomischen Nutzen. Also mit Wachs, der aus Kostengründen, nicht mehr zu 100% Bienenwachs ist. Ergebnis: Die Bienen können dieses künstlich veränderte Wachs nicht richtig nutzen und werden krank.

Also geht ein Aufschrei um die Welt, vom Wachsskandal ist die Rede. Wenngleich die Forderung nach reinem Wachs durchaus richtig ist, muss sich doch gefragt werden, ob nicht ein grundlegenderes Umdenken benötigt wird.
 

Denn es gibt aber auch weitere Faktoren, die gegen die Verwendung von Wachsmittelwänden sprechen. So zum Beispiel geben künstliche Waben stets nur eine bestimmte Größe der Zellen vor. In Deutschland sind dies meist 5,4 mm. Bienen sollten aber auch unabhängig der vorgegebenen Zellgröße kleiner oder größer bauen zu dürfen. Eine von Bienen selbst gebaute Naturwabe hat unterschiedlich große Zellen. Die Größe der Zellen von den künstlichen Mittelwänden ist aber als Brutzelle für Drohnen zu klein. Die Vermeidung von Drohnenbrut führt jedoch zur Dezimierung der genetischen Vielfalt. Und beschneidet somit die Biene in ihrem Recht, selbst zu entscheiden, welche Gene sich fortpflanzen sollen.

 

So oder so, drohen immer Verunreinigungen und dergleichen, solange Menschen Naturwabenbau durch künstliche Mittelwände unterbinden. Eben weil sie der Ansicht sind, dass dies lohnenswerter sei. Auf diese Weise entsteht ein riesiger Wachskreislauf mit unzähligen Beteiligten und somit auch Schwachstellen und Manipulationsmöglichkeiten. Macht es da Sinn, immer wieder nur darauf zu vertrauen, dass Gesetze stets so effektiv angepasst werden könnten, dass Schlupflöcher zugunsten ökonomischer Interessen Einzelner gar nicht erst entstehen und Andere schädigen könnten?

Deshalb brauchen wir nicht stets neue Gesetze, sondern ein grundlegendes Umdenken zugunsten der Biene. Ein Umdenken, das auf der Freiwilligkeit beruht. Und diese Freiwilligkeit wäre einfach die logische Konsequenz der Einsicht, dass auf lange Sicht auch der Mensch davon profitiert, wenn er den Bienen ihre Freiheit für natürliches Verhalten zurückgibt.

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